Der Drang etwas zu tun oder etwas zu denken - Zwangsstörungen

Kennen Sie diese Gedanken auch? Ist der Herd wirklich aus? Habe ich die Wohnungstür abgeschlossen? All dies sind jedoch ganz normale Sorgen, wie sie jeder hat. Und meist ist es ja durchaus sinnvoll, Dinge zu überprüfen. Viele Menschen haben auch bestimmte Rituale, die ihnen beispielsweise Glück bringen sollen. So warf zum Beispiel die Leichtathletin Heide Rosendahl vor einem Weitsprung immer Gras in die Luft. Solche Angewohnheiten sind jedoch durchaus menschlich und nicht behandlungsbedürftig.
Von einem Zwang spricht man erst, wenn die Betroffenen einen starken inneren Drang verspüren, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun und wenn diese Rituale einen wesentlichen Bestandteil des Tages einnehmen. Die meisten versuchen sich dagegen zu wehren, weil sie ihre Handlungen als unsinnig und quälend empfinden.
Die Symptome
Bei Menschen, die unter Zwängen leiden, verselbständigen sich diese Kontrollgedanken und –handlungen. Sie überprüfen den Herd zehn Mal. Sie müssen ein Dutzend Mal zurückgehen, um die Wohnungstür zu kontrollieren. Oft führen die Betroffenen die Handlungen in einer bestimmten Reihenfolge oder in einer bestimmten Anzahl durch. Sie werden zu richtigen Ritualen.

Man unterscheidet zwei verschiedene Formen: Zwangsgedanken und Zwangshandlungen.
Zwanghafte Gedanken sind Bilder, Vorstellungen und Gedanken, die sich einem aufdrängen. Man glaubt zum Beispiel, sich mit einer Krankheit angesteckt zu haben, sich beschmutzt zu haben. Manche Menschen entwickeln deshalb einen Waschzwang. Manchmal treten diese Gedanken aber auch auf, ohne dass sie durch bestimmte Rituale neutralisiert werden müssen. Sie haben aggressive, sexuelle oder religiös-blasphemische Inhalte (z.B. Familienmitglieder verletzen, Gott verfluchen) – also häufig Inhalte, die gesellschaftliche Normen verletzen. Die Betroffenen leiden sehr, da sie befürchten, dass sie ihre schlimmen Gedanken in die Tat umsetzen könnten. Soweit man weiß, ist dies in der Realität jedoch noch nie geschehen. 
Die immer wiederkehrenden Gedanken führen oft zu rituellen Verhaltensweisen, mit denen die Betroffenen versuchen, diese zu befriedigen. Sie verselbständigen sich, so dass die Menschen oft nicht mehr wissen, ob bestimmte Gedanken dem Zwang vorausgingen. Es gibt einige typische Zwangshandlungen:
- Kontrollzwänge: Die Betroffenen überprüfen sehr häufig elektrische Geräte, Steckdosen, Türen oder ob sie eine Aufgabe erledigt haben. Sie befürchten, dass sonst etwas Schlimmes passieren könnte, also die Wohnung abbrennen könnte, eingebrochen wird oder sie etwas Wichtiges vergessen haben.
Waschzwänge: Sie gehen mit der Angst vor ansteckenden Krankheiten oder Ekel vor Schmutz einher. Die Betroffenen müssen sich viele Male am Tag waschen und duschen; oft ist die Haut dadurch stark geschädigt.
- Ordnungszwänge: Diese Menschen ordnen zum Beispiel Stifte auf dem Schreibtisch symmetrisch an und achten übertrieben auf Sauberkeit.
- Wiederholungs- und Zählzwänge: Handlungen müssen in einer bestimmten Anzahl wiederholt werden, zum Beispiel der Zahnputzbecher siebenmal abgestellt werden. Sie zählen Pflastersteine oder immer bis zur Zahl fünf. Manchmal befürchten sie, dass etwas Schlimmes passieren wird, wenn sie dem Zwang nicht nachgeben.
- Sammelzwänge: Wegwerfen fällt diesen Menschen schwer. Sie heben sowohl Müll als auch Wertgegenstände auf, weil sie Angst haben, etwas Wichtiges zu verlieren.


Die Ursachen

Auch bei Zwängen wird vermutet, dass (ähnlich wie bei Depressionen) ein Ungleichgewicht an Botenstoffen http://www.praxispsychotherapie.de/1x1.gifim Gehirn (Neurotransmittern) etwas damit zu tun hat. Sicher ist, dass die Veranlagung zu Zwängen vererbt werden kann. Psychologen haben auch herausgefunden, dass Zwänge dadurch begünstigt werden, wenn störenden oder irrationalen Gedanken und Impulsen viel Bedeutung beigemessen wird. Werden die Gedanken als unnormal oder gefährlich eingestuft, versuchen die Betroffenen sie zu unterdrücken. Das führt jedoch dazu, dass die zwanghaften Gedanken noch häufiger auftauchen. Ein simples Beispiel: Wer versucht, die Zahl 33889 zu vergessen, wird sich noch lange an sie erinnern.
Auch Kontrollhandlungen oder Rituale dienen dazu, kurzfristig Kontrolle und Sicherheit zu erlangen. Langfristig nehmen die Gedanken dadurch jedoch wie in einem Teufelskreis zu. Oft wird ein Ritual mit einem anderen Ritual bekämpft und immer komplexere Zwangssysteme entstehen.


Die Therapie

Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass die Therapie von Zwängen äußerst effektiv und erfolgreich ist. In der psychotherapeutischen Praxis Schlafer in Laim werden wir gemeinsam den Auslösern des Zwangs auf den Grund gehen und nach Lösungen suchen. Wir werden herausfinden, warum der Zwang aufrechterhalten wird und wie man ihn wieder verlernen kann.